Was ist Yoga?

Wie kann man Yoga definieren? Kann es überhaupt eine Definition geben?

Yoga ist eine Philosophie, eine Lehre, die aus Indien stammt und mehrere tausend Jahre alt ist. Sie beinhaltet körperliche Übungen, Atemtechniken, Konzentrationsübungen und Meditation.

Yoga in seiner ursprünglichen Form ist eine spirituelle Wegbeschreibung: durch Einhaltung einer bestimmten Lebensführung und durch körperliche und geistige Übungen stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Körper und Seele ein. Höchstes Ziel ist die Erlangung der höchsten Erkenntnis des Seins, eines kosmischen Bewusstseins.
Das Wort Yoga kommt aus dem Sanskrit, der alten Sprache Indiens, und bedeutet "anschirren" oder "anspannen". Wirft man einen Blick auf die Yoga-Etymologie, so findet man die Wörter "yuga" - "Joch", "yuj" - "anjochen, anspannen, zusammenbinden, anschirren" (von Zugtieren), das später zu "Vereinigung, Integration und zwei Dinge zusammenführen wird" und schließlich zu "den Geist bündeln".
In der Bhagavad Gita, dem über 2500 Jahre alten spirtuellem Versepos, das dem indische Gelehrte Vyasa zugeschrieben wird, ist zu lesen: "Yoga ist die Weisheit im Handeln - Yoga ist die Bezwingung des eigenwilligen ungestümen Geistes - Yoga ist Einssein mit dem Selbst."
Pantanjali, ein indischer Gelehrter aus dem fünften Jahrhundert, der als Begründer des Hatha-Yoga gilt, sagt:"Yoga ist die Fähigkeit, den Geist ausschließlich auf ein Objekt auszurichten und diese Ausrichtung ohne Ablenkung aufrechtzuerhalten."
Svatmarama, der im 15. Jahrhundert die Schrift "Hatha Yoga Pradipika" verfasst hat, leitet diese wie folgt ein:" Der Hatha-Yoga ist die Leiter, die zum erhabenen Raja-Yoga hinaufführt."
Weitere Aussagen, die sich der Frage nach der eingangs gestellten Frage nähern:
"Der erste Prozess im Yoga ist der: entschieden sich selbst hingeben zu wollen" - Sri Aurobindo, ein indischer Philosoph und Yogi des 20. Jahrhunderts. "Yoga ist die Methode, durch die der unstete Geist beruhigt und die Energie in schöpferische Bahnen gelenkt wird." - B.K.S. Iyengar, bedeutender indischer Yogalehrer der Gegenwart.
"Das Konzept des Yoga als Entspannungstechnik und als Training für den Bewegungsapparat, für Koorination und Gleichgewicht ist wissenschaftlich plausibel." - die Stiftung Warentest im Jahr 2005 zum gesundheitlichen Stellenwert des Yoga.
Eine eindeutige Antwort scheint es nicht zu geben. Doch Yoga ist ein ganzheitlicher Weg zu körperlicher und seelischer Gesundheit.

Im übertragenen Sinne bedeutet das, die menschlichen Sinne mit der Bewusstheit des Geistes zu vereinigen. Yoga dient heute als Oberbegriff für Techniken und Methoden, die das Ziel haben, Erfahrungen von Körper, Geist und Seele zu vereinigen.

Yoga als Philosophie

Yoga ist also eine indische philosophische Lehre. Sie beinhaltet geistige und körperliche Übungen. Diese heißen Asanas, Pranayama, Yama, Niyama, Kriyas, Meditation und/oder Askese. Man kann den Begriff "Yoga", der aus dem Sanskrit stammt, (von yuga "Joch", yui für: "zusammenbinden, anspannen, anschirren, anjochen") verstehen als "Vereinigung" oder "Integration" oder im Sinne von "Anschirren" und "Anspannen" des Körpers an die Seele zur Sammlung und Konzentration. Der Weg und die Art und Weise, wie dies zu erfolgen hat, ist "Streitgegenstand" der unterschiedlichen Yoga-Schulen, d.h. Yoga-Richtungen.

Yoga gehört zu den sechs klassischen Schulen (Darshanas) der indischen Philosophie. Es gibt sehr unterschiedliche Spielarten des Yoga, die vielfach eine eigenständige Philosophie und Praxis entwickelt haben. In Europa assoziiert man mit dem Begriff Yoga oft nur die körperlichen Übungen. Diese werden Asanas oder Yogasanas genannt. Das ist aber nur ein Teil der Yoga-Lehre.

Einige Yoga-Formen haben mediativen Charakter und beschäftigen sich mit der geistigen Konzentration, andere Yoga-Formen (z.B. Hatha) legen hingegen mehr Wert auf körperliche Übungen und Positionen (die Asanas). Es gibt weitere Spielarten, die etwa die Askese hervorheben. Die philosophische Basis des Yoga wurde insbesondere von Patanjali im Yoga-Sutra formuliert. Die Bhagavad Gita und die Upanishaden geben ebenfalls grundlegende Informationen über Yoga.
Zur Erläuterung:
Die Bhagavad Gita ist ein - wahrscheinlich zwischen dem fünften und dem zweiten Jahrhundert vor Christus entstandener - Text, in dem mehrerer verschiedene Denkschulen des damaligen Indiens zusammen geführt werden.
Die Upanishaden sind eine Sammlung von philosophischen Schriften des Brahmanismus und sind Bestandteil des Veda (sanskr.: Wissen). Es gibt etwa 150 Upanishaden, wovon 108 offiziell anerkannt sind. Die Texte wurden sowohl in Prosa als auch in Versform verfasst. Man nimmt an, dass die Upanishaden zwischen 700 v. Chr. und 200 v. Chr. entstanden sind.)