Raja Yoga nach Patanjali

Dem indischen Gelehrten Patanjali wird die Urheberschaft der Yoga Sutren des Raja-Yoga zugeschrieben, die um 500 n. Chr. verfasst worden sein sollen. Das Raja-Yoga wird auch als Ashtanga-Yoga oder als Kriya-Yoga bezeichnet und ist ein spirituell ausgerichteter Yoga-Weg. Es zählt zu den vier klassischen Yoga-Wegen. Die anderen Yoga-Wege sind das Karma-Yoga, als Weg der selbstlosen Tat, das Bhakti-Yoga, als Weg der liebenden Verehrung Gottes und das Jnana-Yoga als Weg des Wissens. Das Wort Raja Yoga taucht erstmals in der Hatha-Yoga-Pradipika aus dem 15.Jahrhundert auf.Dort wird er benutzt, um das körperbezogene Hatha-Yoga vom spirituellen Yoga, dem Raja-Yoga, abzugrenzen. Hatha Yoga wird in der Hatha-Yoga-pradipika als Vorstufe zum Raja-Yoga verstanden. Die Yoga-Sutren Patanjalis stellen die grundlegenden Texte aller Yogasysteme dar.

Patanjali

Der indische Gelehrte Patanjali hat die Yoga-Sutren verfasst – das zumindest ist nach den geschichtlichen Forschungen sehr wahrscheinlich. Wer Patanjali war, weiß man nicht. Unbekannt ist, wann er gelebt hat. Unsicher ist zudem, ob es sich bei ihm überhaupt um eine historische Persönlichkeit handelt. In Indien wird er zwar mit dem gleichnamigen Grammatiker, der im 2. Jahrhundert v. Chr. gelebt hat, gleichgesetzt. Doch schließen Geschichtsexperten aus der Analyse bestimmter Formulierungen der Yoga-Sutren, dass sie im vierten oder fünften Jahrhundert entstanden sind. Sie gehen weiter davon aus, dass Patanjali das Yogasystem nicht selbst entwickelt hat, sondern die bis seinerzeit lediglich mündlich überlieferten Yogalehren erstmals schriftlich niedergeschrieben hat.

Yoga-Sutra

Das Sanskrit-Wort Sutra bedeutet (Leit)Faden. Die Yoga-Suten sind also Lehrsätze, die aus Aphorismen, also Sprüchen bestehen. Sie sind sprachlich auf das Wesentliche konzertriert. Die Yoga-Sutren wurden darum vermutlich zum Auswendiglernen oder als Erinnerungshilfe für die Meditation oder den Unterricht an Yoga-Schulen genutzt. Sie sind das älteste erhaltende Werk über Yoga und stark von der Samkhya-Philosophie beeinflusst. Sie setzen Vorkenntnisse im Yoga voraus, denn sie erklären nicht, wie die einzelnen Stufen des Raja-Yoga praktiziert werden müssen. Sie treffen vielmehr Aussagen zum philosophischen Unterbau des Yoga.

Der Yoga-Sutra des Patanjali ist in vier Abschnitte unterteilt und besteht aus 195 Lehrsätzen. Dort wird unter anderem der achtgliedrige Pfad des Yoga beschrieben. Die Abschnitte der Sutra behandelnd Samadhi Pada, worunter man die Versenkung versteht, von Übungen und übernatürlichen Kräften sowie der Freiheit. Zwar werden auch Yogatechniken, also Yogapositionen und Atemübungen erwähnt, allerdings gibt es keine genauen Anweisungen, wie die Asana oder das Pranayama ausgeführt werden soll bzw. muss. Die Yoga-Sutra beschreibt Störfaktoren des Geistes wie die Kleshas und Gunas. Daneben werden Meditationstechniken und Philosophien über das Wesen der Menschen beschrieben.

Ashtanga

Die Sutra 2.29 des Patanjali enthält die acht Stufen des Ashtanga Yoga. Sie sind meditativ ausgerichtet. Ashta bedeutet im Sanskrit acht, Anga bedeutet Teile. Der achtgliedrige Yogaweg besteht aus Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Es sind: die äußere und innere Disziplin, die Körperhaltung, Atemregulierung, das Zurückhalten der Sinne, Konzentration, Meditation und die Versenkung, die das Raja-Yoga ausmachen. Die ersten fünf Stufen des Raja-Yoga sollen haben den Sinn einer äußeren Vorbereitung auf die drei höheren Stufen, wobei das Pratyahara ein Verbindungsglied zwischen den Vorbereitungsstufen und den Fortgeschrittenenstufen darstellt. Nun zu den einzelnen Komponenten des Raja-Yoga in der Rangfolge, der ihr Patanjali einräumt:

Yama

Yama bezeichnet die Einstellung und Verhaltensweise gegenüber der sozialen Umwelt. Die Yoga-sutra beschreibt fünf Yamas: Ashimsa beinhaltet Gewaltlosigkeit, Rücksichtnahme, Freundlichkeit und die Überwindung des Tötungswunsches. Satya bedeutet Wahrhaftigkeit und bewußter Umgang mit Worten. Asteya beinhaltet die Enthaltsamkeit von Diebstahl von sowohl materiellen wie immateriellen Gütern. Brahmacharya ist die maßvolle Sinnlichkeit. Aparigraha die Abkehr von der Mitnahmementalität.

Niyama

Niyama beschreibt die Einstellung gegenüber sich selbst. Auch hier beschreibt die Yoga-Sutra fünf Niyamas: Shauca ist die körperliche Hygiene. Samtosha bedeutet Genügsamkeit und Zufriedenheit. Tapas ist die disziplinierte körperliche Übung sowie das bewußte und achtsame Essen.. Sadhyaya bedeutet die Reflexion des eigenen Denkens und Handelns. Ishvarapranidhana steht für Urvertrauen, für die Befreiung von Ängsten und Zweifeln.

Asana

Asana ist die Beherrschung der Körperpositionen, der Sitzhaltungen und Übungen. Es wird gesagt, dass Gott Shiva 84.000 unterschiedliche Yogapositionen erläutert hat.

Pranayama

Pranayama ist das System der Atemübungen, eine Atemtherapie. Es werden unbewusste Atemvorgänge durch bewusst eingesetzte Atemtechniken ersetzt.

Pratyahara

Pratyahara ist das Nach-innen-Kehren des Bewußtseins. Patanjali erklärt das Pratyahara als Zustand, in dem die Sinne keinenKontakt mehr mit den sie umgebenden Objekten haben. Es wird durch Pranayama herbeigeführt.

Dharana

Dharana ist die Fähigkeit des Geistes sich auf einen bestimmten Punkt zu konzentrieren. Durch diese Übung soll das reflektierende Denken abgeschaltet und es möglich seine eine Ganzheitserfahrung zu erlangen.

Dhyana

Dhyana ist eine Meditation. Es ist die Fähigkeit, den Geist über einen langen Zeitraum auf einen bestimmten Punkt auszurichten, so dass er zum Beobachter ohne Aktivität wird. Das Ichbewußtsein ist dabei vollkommen im Hintergrund.

Samadhi

Samadhi bedeutet Versenkung. Das Geist hat sich mit dem göttlichen Überbewußtsein vereint.