Fitness für Köper und Geist

Hatha Yoga ist die Yoga-Form, die in der westlichen Welt am weitesten verbreitet ist. Durch körperliche Übungen soll ein Gleichgewicht von Körper und Geist erreicht werden. Insbesondere werden Asana, Pranayama und Dhyana eingesetzt, das sind Körperstellungen, Atemübungen und Meditation. Das Wort Hatha stammt, wie alle Wörter des Yoga-Fachgebiets, aus dem Sanskrit. Seine Bedeutung ist Kraft, Strebsamkeit, Zurückhaltung. In dem Wort sind aber auch das Gegensatzpaar Ha und Tha enthalten. Ha steht für die Sonne, für heiß, männlich, positiv, tha für den Mond, für kalt, weiblich, negativ.

Die beiden bedeutendsten Quellen des Hatha-Yoga sind die Hatha-Yoga-Pradipika, in der der Begriff Hatha zur Abgrenzung des körperlichen Yoga vom spirituellen Raja-Yoga benutzt wird, und die Gheranda Samhita.

Hatha-Yoga-Pradipika

Die Hatha-Yoga-Pradipika wurde im 15. Jahrhundert n. Chr. verfasst. Nicht bekannt ist, wer sie verfasst hat. Es handelt sich um ein Lehrbuch mit genauen Praxisanweisungen. Es betont den Unterschied zum Raja-Yoga, sieht das Hatha-Yoga als Vorstufe hierzu. Hatha-Yoga rückt die Arbeit am Körper in den Vordergrund. Es werden ethische Prinzipien dargestellt. Besonders herausgearbeitet werden darüber hinaus das Asana, die Körperhaltungen, das Pranayama, die Atemübungen, das Mudra, die Konzentrationsübungen, legt Wert auf die richtige Ernährung und gibt dem Yoga-Praktizierenden Reinigungsübungen an die Hand. Das in der Hatha-Yoga Pradipika formulierte Ziel ist es, durch diese Übungen und die Kontrolle der Atmung einen Zustand zu erreichen, in dem man die unpersönliche Weltseele erfahren kann. Die Hatha Yoga Pradipika ist in vier Kapitel untergliedert. Diese lauten: Asana, Pranayama, Mudra und Samadhi.

Asana

Es werden 15 Asanas beschrieben, die den Körper ertüchtigen und gesund machen. Vier davon haben eine besondere Bedeutung. Asanas sind Körperstellungen.

Pranayama

Durch die Übungen zum Pranayama wird die Atmung kontrolliert, um auf diese Weise auch den Geist beeinflussen zu können. Es soll sich ein – spontaner – meditativer Zustand einstellen, wenn der Atem über einen längeren Zeitraum angehalten wird. Dies nennt man Kumbhaka. Kevalakumbhaka ist eine spontane, unwillkürliche Atemverhaltung und das, wonach der Übende des Pranayama strebt.

Mudra

Die Hatha Yoga Pradipika zeigt zehn Mudras, also Konzentrationshaltungen auf. Sie sollen die feinstoffliche Kundalini-Kraft erwecken und lenken. Bandha sind sog. Verschlusshaltungen und gehören ebenfalls zu den Mudras.

Samadhi

Samadhi sind Übungen zur Kontrolle des Geistes. Hieran wird deutlich, dass Hatha-Yoga nicht nur ein Körpertraining ist. Hier beginnt der Übergang zum Raja-Yoga. Hatha Yoga und Raja Yoga werden von der Hatha Yoga Pradipika zwar nebeneinander beschrieben, jedoch als nicht trennbare Einheit gesehen.

Gheranda Samhita

Bei der Gheranda Samhita handelt es sich um eine Zusammenstellung yogischer Texte. Autor ist Gheranda, über den sonst nichts bekannt ist. Die Samhita des Gheranda entstand im Zeitalter des Tantrismus, im 17. Jahrhundert. Sie gleicht der Hatha Yoga Pradipika und stellt die Körperübungen in den Vordergrund. Aber auch sie sieht das Hatha Yoga als Vorstufe zum Raja Yoga.
Die Gheranda Samhita stellt ethische Prinzipien nicht mehr in den Vordergrund. Über die Stärkung des Körpers soll eine Stärkung der gesamten Persönlichkeit des Schülers als Ziel erreicht werden. Der Schüler muss allerdings Vertrauen zu seinem Lehrer entwickeln, denn es hängt von diesem ab, ab der Schüler schließlich den Zustand des Samadhi erreichen kann.

Das Lehrbuch der Gheranda Samhita ist in sieben Kapitel untergliedert. Es beginnt mit Reinigungsübungen, Dhauti genannt. Dann folgen 32 Asanas, denen sich Mudras und Pranayamas anschließen. Auch die Meditationstechniken, Dhyana, und die Samadhi Zustände, d.h. der Zustand des kosmischen Bewußtseins, werden beschrieben. Letzters ist nach der Gheranda Samhita das Ziel der körperlichen Yogaübungen. Es soll erkannt werden, dass sich das Selbst vom Körper unterscheidet und der Geist soll so von allen Begehrlichkeiten befreit werden.