Traditionelle Yoga-Arten

Das traditionelle Yoga kennt unterschiedliche Schulen und Wege, um zum Ziel, zur Erlangung eines kosmischen Bewußtseins zu gelangen.

Die vier klassischen Yogawege

Das traditionelle Yoga kennt unterschiedliche Schulen und Wege, um zum Ziel, zur Erlangung eines kosmischen Bewußtseins zu gelangen. Die klassischen indischen Schriften beschreiben 4 Yogawege:

Raja Yoga: So nennen sich die meditativ orientierten Stufen des Achtgliedrigen Yoga nach Patanjali (auch Ashtanga Yoga genannt: ‚Asta‘ = acht, ‚Anga‘ = Teile).

Jnana Yoga: Eine intellektuelle Richtung, Yoga als Erkenntnis.

Karma Yoga: Das Yoga der Tat, das Yoga des selbstlosen Handelns.

Bhakti Yoga: Dieser Weg sieht Yoga als Verehrung, als Hingabe.

Man nimmt an, dass Yoga ursprünglich ein rein spiritueller Weg war, bei dem es darum ging, die Erleuchtung durch Meditation zu erreichen. Die vielen Asanas entstanden erst im Laufe der Zeit. Sie waren zunächst vorrangig darauf ausgerichtet, den Körper so zu kräftigen und zu mobilisieren, dass er möglichst beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum im Meditationssitz – in der Regel im vollen Lotossitz – verweilen konnte. Im Laufe der Jahre bemerkte man jedoch immer mehr die positive Wirkung der körperlichen Übungen auf das gesamte Wohlbefinden des Menschen. Die Asanas wurden weiter entwickelt und die körperliche Betätigung im Yoga bekam einen immer höheren Stellenwert. Einen ersten Niederschlag hat diese Entwicklung in der Entstehung des Hatha Yoga gefunden. So legt die „Hatha Yoga Pradipika“, ein Text aus dem 15. Jahrhundert, die Grundlagen jener eher körperbetonenden Yoga-Schule nieder. Das Raja Yoga basiert auf dem Hatha Yoga; diese Yogalehre betont jedoch eher die spirituelle Ziele.

Die Ursprünge des Yoga

Der Hinduismus und die philosophischen Systeme Indiens bilden die Wurzelerde des Yoga. Sie haben sich über Jahrtausende entwickelt. Der Hinduismus ist ein Konglomerat aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen und ist gleichzeitig eine Lebensart, also mehr als eine Religion. Er hat keine gemeinsame Gründerperson. Jede Glaubensrichtung basiert auf eigenen nur für sie verbindlichen heiligen Schriften und mündlichen Überlieferungen. Letztere sowie religiöse Rituale und hymnische Gesänge haben über Jahrtausende die Grundlage für die Religionen des Hinduismus gebildet. Erst im zweiten Jahrtausend vor Christus gab es erste schriftliche Zeugnisse, die Veden. Der früheste umfassende Yogatext stammt hingegen erst aus dem fünften Jahrhundert nach Christus.

Das klassische Yoga

Die klassischen Schulen sind das Raja-Yoga (s.o.), das oft als spiritueller Königsweg des Yoga bezeichnet wird, sowie das Hatha-Yoga mit seinen körperlichen Übungen, Atemübungen und Meditationen. Auch das Karma-Yoga, das man als Yoga der Tat bezeichnen kann, das ein selbstloses Handeln in den Vordergrund des Lebens stellt und das Bhakti-yoga, was man als Yoga der liebenden Verehrung Gottes bezeichnen kann, sowie das Jnana-Yoga, das Yoga des Wissens, zählen hierzu. Der spirituelle Hintergrund des Yoga ist bei den verschiedenen Yoga-Schulen sehr unterschiedlich. Der Grund ist darin zu finden, dass sie sich auch unterschiedlichen Wurzeln in Asien entwickelt haben. Hinzu kommt, dass sich die Lehrmeinungen im Lauf der Geschichte in den einzelnen Schulen ebenfalls immer wieder verändert haben.

Moderne Yoga-Arten

Neben dem traditionellen Yoga etablieren sich mehr und mehr moderne Yoga-Arten. Einige haben allerdings außer dem Namen nicht viel mit dem traditionellen Yoga gemein.

Yoga-Richtungen (Schulen)

Im Westen ist das eher körperbetonte Hatha Yoga bekannt.

Das Iyengar Yoga ist eine neuzeitliche Yoga-Richtung in Deutschland. Es handelt sich um eine sehr körperbetonte Yoga-Art, die ggf. auch einfache Hilfsmittel einsetzt, um für Ungeübte die Yoga-Übungen zu vereinfachen. Diese Yoga-Übungsrichtung schafft es, sehr präzise und subtil zu arbeiten.Das Iyengar-Yoga ist also eine Richtung des Hatha-Yoga, das auf Hilfsmittel, etwa Matten und Gurte und Klötze zurückgreift.

Das Kundalini-Yoga hingegen konzentriert sich auf die Erweckung und Lenkung der Kundalini-Energie.
Stärker religiös ausgerichtete Yogaschulen sind etwa das Tantra Yoga und das Tibetisches Yoga.

Beim Marma Yoga steht der Selbsterfahrungsaspekt der Übungen im Vordergrund. Übungstechnisch genau eingenommene Haltungen werden als eine Art Prüfung angesehen, bei der man seinem Körper die Gelegenheit läßt, zu „sprechen“ und über diese Reflexion anschließend die Übungen anpasst.

Kum Nye ist ein buddhistisches Heilyoga und Yantra Yoga ein tibetisches Yoga, das als Hilfe bei der Meditation angewand werden kann.

Das tibetisches Traumyoga dehnt den Anwendungsbereich geistig-yogischer Übungen auf den Schlafs aus.

Das Kriya-Yoga findet seinen Ursprung bei Paramahansa Yogananda zurück. Es hat die Selbstverwirklichung durch eine Gottvereinigung zum Ziel und ist eine Unterform des Raja-Yogas.

Das integrale Yoga von Aurobindo ist eine Synthese und Weiterentwicklung der klassischen Yogaausprägungen.

Das Sahija Yoga ist sektenartig strukturiert.

Hervorzuheben ist auch das Ashtanga-Vinyasa-Yoga, in dessen Zentrum ein diffiziles Hatha-Yoga-System mit sechs festgeschriebenen Serien von atemsynchronen Yogastellungen steht, oder auch das integrale Yoga, dass aus einer Vereinheitlichung der klassischen Yoga-Wege besteht. Es fußt auf den indischen Yoga Gelehrten Aurobindo.

Das Tantra-Yoga ist ein tantrischer Yoga zur Erweckung der Kundalini-Kraft in den Chakren. Dieses Ziel verfolgt auch das Kundalin-Yoga oder das Laya-Yoga. Eine moderne Yoga-Richtung ist auch das Lach-Yoga oder Hasya-Yoga, das auf Übungen mit grundlosem Lachen basiert (s.u.).

Lachyoga

Das Lachyoga wird auch Hasya Yoga genannt. Es ist eine Kombination von Lachen und Yoga. Das Lachyoga wurde 1995 von Dr. Madan Kataria aus Mumbai entwickelt, und zwar im wesentlichen aus Tiefenatmungsübungen des Yoga.

Es wird als „laute“ Sofortmeditation angesehen. Genau wie bei der Meditation, so sagt Lachyoga über sich selbst, wird der Intellekt ausgeschaltet.

Der Klassiker im Lachyoga ist das Löwenlachen. Es leitet sich von der Yoga Übung Simha Mudra ab. Bei dieser Übung werden die Hände wie Pranken neben das Gesicht gehalten, Augen und Mund werden aufgerissen, und die Zunge heraus gestreckt. Gleichzeitig gefaucht und anschließend richtig herzhaft gelacht.

Flow Yoga

Flow Yoga bedeutet übersetzt „fließendes Yoga“. Damit soll der Gegensatz zu den eher statischen traditionellen Yoga Asanas ausgedrückt werden.

Das Flow Yoga will die traditionellen Yoga-Stellungen zu einer dynamischen Bewegungs verbinden, sie mit dem Atem „fließen“ lassen.

Bei Flow Yoga erfolgt der Übergang von einer Asana in die nächste ohne Pause. Ziel des Flow Yoga ist die Verbindung von Atem mit der Bewegung.

Der traditionelle Sonnengruß, auch Sonnengebet genannt, kann als Flow-Yoga-Übung bezeichnet werden.

Power Yoga

Power Yoga ist eine aus Amerika kommende Richtung des Yoga. Es ist ein moderne Yogastil.Die fließende Abfolge von Positionen steht im Mittelpunkt dieser Yogaform. Schwerpunkt ist auch die Parallelstellung von Atmung und Bewegung.

Power Yoga ist das Ashtanga Yoga in amerikanischer Auslegung. Das bedeutet, dass sich das Power Yoga an den Vorgaben des Ashtanga Yoga orientiert, dabei aber Erkenntnisse der modernen Sportmedizin mit in den Übungsplan aufnimmt. Oftmals wir Poweryoga als meditative Reihe von progressiven Stellungen in Kombination mit der Atmung beschrieben, also Vinyasa – Asanas – Pranajama. Der Körper wird gestärkt, geschmeidig und beweglich gehalten. Die Übungen fördern zudem die Konzentration und helfen bei der Gewinnung einer inneren Balance.

Wellness Yoga

Wellness kann mit „gute Gesundheit“ übersetzt werden. Man versteht darunter heute aber eher ein ganzheitliches Gesundheitsprogramm. Es ist Oberbegriff einer ganzen Gesundheitsbewegung, die – wie sollte es anders sein – aus den USA stammt.

Wellness setzt sich aus den Wörtern Wellbeing und Fitness oder Happiness zusammen, also aus Wohlbefinden und guter körperlicher Verfassung und Glücklichsein.

Wenn man Wellness sagt, dann meint man heute damit Methoden und Anwendungen, die das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden steigern. Dazu kann man getrost auch das Yoga zählen. Das ist allerdings kein Grund, deshalb von Wellness Yoga zu sprechen.

Nackt-Yoga

Nackt-Yoga oder Naked Yoga oder Nude-Yoga ist ein Trend aus den USA. Hierbei entkleiden sich die Yoga-Übenden komplett.

Sexuelle Erfahrungen sind nicht Ziel des Nackt-Yoga, sondern es geht darum, das Herz zu öffnen und die allgemeinen Ziele des Yoga freier zu erreichen.

Es ist anzumerken, dass dieser Trend lediglich das Yoga-Üben innerhalb von Yoga-Kursen betrifft. Das traditionelle Yoga – geübt allein – wurde und sollte nur leicht bekleidet oder nackt ausgeübt werden.

Business – Yoga

Das Business Yoga ist eine moderne Form des Yoga, die an die Arbeitswelt und das Arbeitsleben angepaßt ist. Es kann auch am Arbeitsplatz angewandt werden und dient in erster Linie dem Stress-Abbau.

Business Yoga besteht aus kurzen Übungen am Arbeitsplatz, die im Sitzen oder Stehen durchgeführt werden können.

Business Yoga hilft die Stress-Symptome wie Bluthochdruck, Rückenschmerzen und Schlaflosigkeit zu vermeiden.

City-Yoga

City Yoga ist kein spezielles Yoga Programm oder eine spezielle Yoga Schule. Viele Yogaschulen nennen sich City Yoga oder City Yoga Schule.

In den großen Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt sind viele City Yoga Schulen zu finden.

Tao Yoga

Das moderne Tao Yoga ist ein System von dehnenden und Bewegungsübungen, die die Atmung durch verschiedene Asanas und Bewegungen koordiniert. Es basiert auf Übungen des Hatha Yoga und des Tai Chi.

Thai Massage und Yoga

Thai Yoga ist eigentlich kein Yoga, sondern eine Massage. Sie wird auch Thai Massage oder Thai Yoga Massage genannt. Die Thai-Massage gibt es seit mehr als 3000 Jahren. Sie basiert auf der manuellen Behandlung von Akupressurpunkten des Körpers. Diese Akupressurpunkte spiegeln innere Organe wider. Bei der Massage bedient sich der Masseur der Handballen, Daumen, Ellenbogen und sogar der Füße. Der Körper ist passiv und wird dennoch in eine Reihe von Yogastellungen gebracht. Thai-Massage ist im Volksmund deshalb das „Yoga für Faule“.